Chronik

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Ur neu ?

Über die Neuauflage des Audi Quattro

Seit 1991 ist der Urquattro tot, seit 1995 die Coupé-Ära. Und selbst wenn Audi seit 1999 den TT und seit 2007 den A5 produziert: Einen würdigen Nachfolger hat der Quattro bis heute nicht bekommen. Gründe dafür kann man natürlich suchen, aber sehen wir die Sache nüchtern: Audi wollte weg von den verstaubten Rallyepfaden, hin zu den reich behängten Routen des Glamours und Lifestyle. Da hat ein rauer Bursche wie der Urquattro nichts mehr verloren und A4, A5, TT und wie die glattrasierten Modelle nicht alle heißen, ebneten den Weg dorthin.

Aber wie das so ist im Wohlstand: Irgendwann sehnt man sich zurück zu den Ursprüngen. Zu den wilden und jugendhaften Tugenden der Marke, die Ihren ganzen Ruf schlussendlich auf dieses eine Auto aufgebaut hat. Und das gilt es, ein wenig zu pflegen, zumal man daraus auch ein wenig Kapital schlagen kann. Umso mehr verblüfft es, dass die Idee, einen neuen Quattro zu bauen, auch schon wieder fünf Jahre alt ist.

Alles startete 2004. Die Abteilung EF-12, zuständig für Fahrwerksregelsysteme, wurde gegründet, um das Projekt „quattro sport“ weiterzuführen. Hinter diesem fulminanten Namen steckt nichts weiter als das Sportdifferenzial, wie man es im aktuellen S4 wiederfindet. Schon damals gab es Überlegungen, das ganze auch gleich für eine Neuauflage des Urquattro zu nutzen. Federführend war seinerzeit Martin Winterkorn, der sogar eine Designstudie anfertigen ließ. Angeblich gab es sogar schon ein Konzeptfahrzeug, aber hier trennen sich die Meinungen diverser Informanten.

Fakt ist jedenfalls, dass der Zeitpunkt goldrichtig gewesen wäre: Ein Jahr noch bis zum 25-jährigen Jubiläum des Quattro-Antriebs, der Hype war also kurz davor, richtig auszubrechen. Zu perfekt im Nachhinein, denn die Zeit war einfach noch nicht reif. Der Vater des Projekts, Martin Winterkorn, verließ Audi und übernahm die Führung von VW. Und Walter De Silva, Schüler der italienischen Formensprache und Seat-Mann, übernahm dafür das Design bei Audi. Sogleich verwirklichte er den A5, und der neue Quattro war kein Thema mehr. Abgesehen davon: Was wäre ein Quattro ohne Fünfzylinder? Es gab also nicht mal einen passenden Antrieb.

Fünf Jahre später sieht die Sache schon ein wenig anders aus. Neue Köpfe, frische Gedanken, alte Ideen. De Silva darf bei VW zeichnen und Audi geht mit großen Schritten auf das 30-jährige Quattro-Jubiläum zu. Alles verdichtet sich derzeit zu der Annahme, dass Audi 2010 die Bombe platzen lassen wird. Offiziell ist natürlich noch nichts, aber die Eckdaten könnten wie folgt aussehen: Technische Basis liefert der A5, nicht aber die Karosserie. Diese soll wirklich eigenständig daher kommen. Angeblich überlegt man sogar, den Radstand zu ändern. Schließlich gilt es, das Gewicht auf unter 1400 Kilogramm zu drücken. Als Antrieb soll der Fünfzylinder aus dem TT RS herhalten. Ob die 350 PS nicht noch ein bisschen Zuwachs bekommen, bleibt abzuwarten.

Die wenigsten Probleme wird es geben, sich preislich an das Original anzupassen. Denn der war schon übertrieben teuer, sodass man für die Neuauflage locker 70.000 Euro veranschlagen darf. Dass es nur eine limitierte Auflage geben wird, liegt auf der Hand. So viele Spinner (mit entsprechendem Budget) gibt es auch wieder nicht. Andererseits: auch der Urquattro sollte eigentlich nur in begrenzter Stückzahl gebaut werden. Und wir alle wissen, wie diese Geschichte im Endeffekt ausging.


Text: Roland Scharf
Fotos: Audi AG